Spielraum Wald

Zehn gute Gründe für die Waldspielgruppe

 

Aktive Auseinandersetzung mit realen Dingen
Ausgleich zur Material- und Reizüberflutungen, in denen Kinder oft passive Zuschauer bleiben
 
Einblick in Zusammenhänge und Entwicklungsvorgänge
Prinzip „Ursache-Wirkung“
 
Differenzierte Sinneswahrnehmungen
Im Wald können alle Sinne optimal eingesetzt und entwickelt werden
 
Grob- und Feinmotorik
Natürliche, freie Bewegungserfahrung ist lustvolle und wirksame Bewegungsförderung
 
Heterogene Gruppenzusammensetzung
Gerade im Wald findet die Verschiedenartigkeit der einzelnen Kinder einen übergeordneten, neutralen, gemeinsamen Boden. Im Wald verlieren die normierten Wertigkeiten ihr Gewicht, was sich gemeinschaftsfördernd auswirkt.
 
Identifizierung mit den Wesenheiten der Umgebung
Kinder entwickeln ihr abstraktes denken erst ab ca. 7 Jahren. Vorher sind sie in der Lage mit der Umgebung zu verschmelzen. Sie werden und sind Baum. Vogel oder Zwerg. Der Wald bietet dafür eine vielseitige, heilsame Umgebung.
 
Sprachentwicklung
Selber beobachtete Phänomene und Erlebnisse werden in Worte gefasst, durch das wird das Selbstbewusstsein und das Vertrauen gebildet und gestärkt. Dies bietet dem Kind eine ideale Grundlage für weitere Lernprozesse.
 
Krativität und Phantasie
Spielen, entdecken und experimentieren mit einfachen, unstrukturierten Materialien kann der Wald im grossen Umfang bieten, was im Gegensatz in einem geschlossenen Raum auch mit grossem Einsatz von Materialien und Aufwand nicht an die Wahrnehmungsschulung in der Natur rankommt.
 
Sachkenntnisse erwerben
Wissen über naturkundliche Themen wird erarbeitet, was zu einem sorgfältien Umgang mit Tieren und Pflanzen führt
 

Allgemeines

Der Wald bietet eine grosse Vielfalt an Formen, Gerüchen, Farben und Materialien. Es gibt tausend Dinge zu sehen, zu hören, zu entdecken und zu verändern. Es gibt Möglichkeiten zum Klettern und Balancieren, zum Springen und Hüpfen, zum Kriechen und Rollen, zum Bauen und Basteln. Der Wald hält somit vielfältige Möglichkeiten für Spiel, Bewegung, Entdeckungen und Sinneseindrücke bereit und lässt der kindlichen Phantasie, Kreativität und Eigenaktivität einen grossen Spielraum. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Phantasie die Kinder schon nach kurzer Zeit entwickeln und wie wenig Anregungen sie von Erwachsenen brauchen, um im Wald in ein Spiel zu finden. Sie schaffen sich so ihre eigenen Übungsstationen für ihre Sinne, für ihre Motorik, für ihre Konzentration und für ihre sensorische Integration. Der Wald bietet darüber hinaus Gelegenheit für Ruhe und Musse, sodass das Kind die gewonnenen Eindrücke verarbeiten kann.

Aus Dänemark stammt die Idee, den Kindergarten nur noch im Wald stattfinden zu lassen. Auch in der Schweiz gibt es erste private und öffentliche Waldkindergärten und einige Waldspielgruppen. Die Kinder sind bei jedem Wetter und bei jeder Jahreszeit draussen; bei ganz unmöglichen Wetterlagen steht ein Bauwagen oder ein anderer Unterschlupf zur Verfügung.

 

Worauf es im Wald ankommt

Regelmässigkeiten, Wiederholungen und Vertrautes ist für die Kinder sehr wichtig. Dazu gehört eine Tagesstruktur und eine bestimmte Reihenfolge der Aktivitäten, aber auch ein bestimmter Platz als Ausgangs- und Ruhepunkt. So können sich die Kinder rascher orientieren und ihr Spiel finden. Der Wald ist sehr weitläufig, deshalb macht es Sinn, den Raum einzugrenzen und mit den Kindern abzumachen, wie weit sie sich im freien oder organisierten Spiel entfernen dürfen.

Jeder Aufenthalt im Wald ist auch ein Eingriff in die natürlichen Abläufe. Wenn Kinder ihre eigenen Freiheiten geniessen, wenn sie spielen, herumrennen, gestalten und verändern, lässt sich eine Beeinträchtigung nicht verhindern. Eine Grenze liegt sicher da, wo das Spiel nicht mehr kreativ, konstruktiv und konzentriert ist, sondern ausartet, überbordet, zerstörerisch und aggressiv wird. Eine zweite Grenze liegt beim Wald selber, nämlich beim Meiden von empfindlichen Stellen wie Jungwuchs, Feuchtbiotope, Ameisenhaufen oder andere Aufenthaltsbereiche von Tieren. Das Spiel im Wald kann zu Entdeckungen führen, die Staunen oder gar Ehrfurcht auslösen, zum Beispiel die Beobachtung eines Käfers. Die Kinder lernen den Käfer in Ruhe zu lassen und doch an seinem Weg teilzuhaben. Somit lassen sich die Kinder auch eher auf den Schutzgedanken ein.

Die Kinder brauchen eine gute Ausrüstung im Wald. Die Kleider und Schuhe müssen strapazierfähig sein, sie sollen dreckig werden dürfen, und je nach Witterung braucht es auch einen Schutz gegen Nässe. Zum Schutz vor Zecken und stechenden Insekten sind auch im Sommer lange Kleider empfehlenswert. Zur Ausrüstung gehört auch eine Notfallapotheke welche die Betreuuerin mit sich trägt.
 

Einige Ideen für Aktivitäten im Wald

 

Suchen und finden

Mögliche Förderbereiche: Objekterfahrung, visuelle Konzentration, Sachwissen etc.

Wir sammeln eine Reihe von Gegenständen, zum Beispiel Blätter, Ästchen, Steinchen oder Blüten und legen sie auf ein Tuch um diese Fundsachen zu zeigen. Die Kinder haben die Aufgabe einen gleichen Gegenstand zu suchen und mitzubringen. Falls die Kinder sich die Gegenstände auf dem Tuch merken können, decke ich sie zu, sonst lasse ich sie sichtbar. Die Kinder müssen also mit offenen Augen durch den Wald gehen und entdecken dabei noch viel mehr als das, was vorgegeben war. Auf ein Signal kommen die Kinder wieder zu mir. Nun werden die Gegenstände verglichen. Wer hat beispielsweise auch ein Buchenblatt gefunden? Welches ist dem Original am ähnlichsten? Die Kinder können so feststellen, dass ein Blatt nicht einfach ein Blatt ist, sondern je nach Grösse, Farbe, Form oder Frassspuren ganz anders aussieht. Zum Schluss können alle Kinder gemeinsam die Gegenstände zu einem Mandala zusammenlegen.

 

Der Nahgucker

Mögliche Förderbereiche: Visuelle Kinzentration

Im Freien übersehen wir oft vieles, zum Beispiel unscheinbare Lebewesen und unspektakuläre Ereignisse. Wenn wir den Blick begrenzen, lassen sich plötzlich viele spannende Entdeckungen machen. Der Nahgucker hilft, sich auf einen kleinen Ausschnitt der Welt zu konzentrieren. Der Nahgucker sieht aus wie ein Feldstecher, besteht aber aus zwei WC-Rollen, die mit Klebeband zusammengehalten werden. Jedes Kind bastelt sich einen Nahgucker und beobachtet einen Waldausschnitt. Zurück in der Gruppe wird das Beobachtete gezeichnet oder gegenseitig erzählt.

 

Hindernisparcours

Mögliche Förderbereiche: Kreativität, Kooperation, Grobmotorik

Anstatt in der Turnhalle lässt sich ein Hindernisparcours auch im Wald aufstellen. Wir legen Slalomrouten um Bäume fest, legen grössere Holzstücke als Hindernisse zurecht, bestimmen einen Baum als Ziel eines Tannzapfenwurfes oder binden einen Ast an zwei Bäume so fest, dass man darüber springen oder unten durchkriechen muss etc.

 

Waldmusik

Mögliche Förderbereiche: auditive Wahrnehmung, Kreativität, Objekterfahrung

Mit Waldmaterial lassen sich in erster Linie Schlaginstrumente herstellen, also indem zwei Holzstücke aneinander geschlagen werden. Bis zum perfekten Klang stellen sich eine ganze Reihe von Fragen wie: Tönt grünes Holz anders als trockenes? Tönen dicke Holzstücke anders als dünne, lange als kurze? Tönt Fichte anders als Buche? Etc. Dank einer Beihilfe aus dem Haushalt lässt sich ein Orchester mit Zupfinstrumenten ergänzen. Die Kinder sammeln gebogene Rindenstücke und Astgabeln und spannen damit dicke und dünne Gummibänder auf. Auch hier lässt sich mit der Spannung der Gummibänder experimentieren, um verschiedene Klänge zu erzeugen.

 

Laub fliegen lassen

Mögliche Förderbereiche: Kooperation, Objekterfahrung

Wir breiten ein grosses Tuch auf dem Boden aus. Die Kinder legen Laub darauf. Nun fassen die Kinder das Tuch dem Rand entlang und heben es vorsichtig hoch. Auf ein Signal hin ziehen die Kinder am Tuch, so dass es sich streckt und das Laub in die Höhe geschleudert wird. Je nach Windverhältnissen und Trockenheit des Laubes fliegt es hoch, wird weg geweht oder landet wieder auf dem Tuch.